Fehler 7: Nachbesichtigung - mirko-schwäblein.de

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Fehler 7: Nachbesichtigung


Grundsätzlich: Es gibt kein generelles Recht zur Nachbesichtigung. Ein solche ist rechtlich gesehen nur statthaft, wenn dem vorher eingereichten Gutachten gravierende Mängel bzw. Fehler nachgewiesen werden. Im Grund genommen könnte mit Signalisierung der Absicht von der Versicherung, ein eigenes Gutachten für das von ihrem VN schuldhaft beschädigten Fahrzeuges erstellen zu lassen, sofort Klage eingereicht werden. Man steht da auf der sicheren Seite, auch wenn sich dadurch der Regulierungsprozess verzögert.


Aber nicht immer macht das Sinn. Nach meiner Jahrzehnte langer Erfahrung muss hier differenziert werden. Während hauseigene Gutachter der Versicherung, also solche, die im festen Angestelltenverhältnis mit der jeweiligen Versicherungsgesellschaft stehen, auch wenn sie die Interessen ihres Arbeitgebers und die ihres Kunden vertreten, dabei auch sachlich und objektiv vorgehen, haben Sachverständige, die als Subunternehmer auf kontinuierliche Auftragslage angewiesen sind, auch das Motiv, ein Konkurrenzgutachten als wettbewerbstechnische Maßnahme gegen den freien Sachverständigen und dessen Auftraggeber auszulegen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass diese Konkurrenzgutachter den Geschädigten dafür bestrafen wollen, dass er nicht zu ihnen gekommen ist, um sein unfallbeschädigtes Fahrzeug begutachten zu lassen.


Wie soll man also reagieren? Hier meine Empfehlung als Antwort: Ein Nachbesichtigungsersuchen erfolgt in der Regel schriftlich. Ein gängiger Textbaustein in diesem Schreiben behauptet, dass angeblich auf den Bildern des eingereichten Gutachtens der Schaden nicht eindeutig erkennbar sei. Wenn Sie also ein solches oder ähnliches Schreiben erhalten, antworten Sie niemals selbst darauf. Informieren Sie ihren Sachverständigen. Spätestens jetzt sollten Sie einen Rechtsanwalt hinzugezogen haben. Dieser wird in Zusammenarbeit mit Ihrem Sachverständigen die weitere Vorgehensweise entscheiden, ob einer Besichtigung zugestimmt wird oder nicht.


Lassen Sie niemals einen Gutachter der Versicherung allein an Ihr Fahrzeug! Ohne Ihren eigenen Sachverständigen hat kein anderer sich an Ihrem Fahrzeug zu schaffen zu machen.


 

 

 

 

Ganz besonders dreist gehen Gutachter der DEKRA im Auftrag der Versicherung HUK-Coburg vor. Hier ein Fallbeispiel:


Im Sommer 2014 besichtigte ich einen sehr schön erhaltenen VW Golf II. Der Besitzer kannte meine Arbeitsweise bereits aus einem voran gegangenen Schadenfall seiner Freundin und wollte sein unfallbeschädigtes Schmuckstück keinesfalls durch einen Gutachter der Versicherung beerdigen lassen.

 

 

 

Der Schaden war alles andere als erheblich: ein Parkplatzrempler vorn rechts. Aber auf Grund des hohen Fahrzeugalters könnte die Totalschadengrenze schnell erreicht worden sein.


 

 

 

Die Kalkulation beinhaltete eine qualitativ hochwertige und kostengünstige Reparatur. Nach dieser Vorgabe ist das Fahrzeug nach der Reparatur wieder in einem Zustand, als wäre der Unfall nie passiert.


 

 

 

Auch als Wiederbeschaffungswert konnte auf Grund des sehr guten Erhaltungszustand mit einer exakten Marktanalyse dem Fahrzeug ein Wert von 2000,- € bescheinigt werden.


 

So ausgestattet sendete ich das Gutachten über den Rechtsanwalt an die Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers. Die Versicherung war in diesem Fall die HUK-Coburg. Diese überlässt die „Kontrolle“ von Gutachten, welche von freien und unabhängigen Gutachtern gefertigt werden, einem aggressiven Mitbewerber auf dem Markt – der DEKRA. So wurde auch mein Gutachten an diesen Verein weiter geleitet. Nach einem Monat meldete sich dann endlich noch einmal die Versicherung, dass dieses Fahrzeug nachbesichtigt werden soll. Zeitgleich machte sich ein Gutachter der DEKRA auf den Weg zu unserem Mandanten.


Gutachten (anonymisiert) hier klicken

Um es vorweg zu nehmen: Ich rechne damit, dass auch dieser Artikel von der DEKRA gelesen wird und den Weg bis in deren Rechtsabteilung nach Stuttgart findet. Daher kündige ich hiermit an: uns liegt die EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG vor, dass sich nachfolgend geschildertes auch genau so zugetragen hat.

Zufällig stand das betreffende Fahrzeug vor dem Haus unseres Mandanten, als der DEKRA-Gutachter dort eintraf. Sofort machte sich dieser daran zu schaffen. Im Haus war lediglich die Mutter des Eigentümers, welche zufällig sah, wie der Herr das Auto inspizierte. Sie stellte ihn zur Rede, worauf dieser sich zu erkennen gab und sein Begehren unter dem Vorwand eines Auftrages der Versicherung darlegte. Die Mutter unseres Mandanten telefonierte daraufhin mit ihrem Sohn, welcher umgehend seine Arbeitsstelle verlassen musste um zuhause an seinem Fahrzeug nach dem Rechten zu sehen. Dort eingetroffen wurde unser Mandant von dem DEKRA-Gutachter verbal unter Druck gesetzt, die Besichtigung zuzulassen. Neben weiteren unqualifizierten Bemerkungen bezeichnete der DEKRA-Gutachter mich und den damals mit der Durchsetzung der Forderungen betrauten Rechtsanwalt wortwörtlich als ein Syndikat! Derselbe Gutachter, der in der Vergangenheit schon einmal bei einer Nachbesichtigung in meinem Beisein einem anderen Geschädigten, dessen in Einzelanfertigung angefertigtes Motorrad unschuldig in einen Unfall verwickelt wurde, erklärte, dass er von dieser Materie überhaupt keine Ahnung hat, hantierte mit einem Lachschichtendickenmessgerät an dem 2-er Golf herum, und behauptete, dass der schon öfter „mal was hatte“ (gemeint waren Unfallschäden) „da ist ja überall Spachtel drunter“. Wieder einmal bewies dieser Gutachter, dass er auch bei diesem Fahrzeug Defizite in seinem Wissen hat. Dieses Fahrzeug wurde 1990 gebaut. Die ersten Fahrzeuge dieses Typs stammen aus dem Jahr 1983 (!!!). Leichtbau und vollverzinkte Karosserie waren damals – erst Recht bei VW – ein Fremdwort. Die verwendeten Karosseriebleche waren deutlich dicker und da waren leichte Formabweichungen Herstellerseits an der Tagesordnung. Als allererstes wurden die Bleche konserviert. Auch dabei wurde nicht sparsam mit den Medien umgegangen. Selbstverständlich ist das Fahrzeug rundum gespachtelt! Die Autos wurden damals so gebaut. Unebenheiten, leichte Vertiefungen, die beim Tiefziehen auftraten wurden mit Spachtel aufgefüllt. Erhöhungen wurden von speziell dafür ausgebildeten Blechspannern eingeebnet, bis die Form glatt war. Erst mit der Einführung der Leichtbauweise und der damit verbunden Lackschichtdickenmessung wurden die Schichtdicken deutlich geringer. In den 80-gern war das alles Science-Fiction.



4 Tage später war der DEKRA-Experte mit seinem Gutachten fertig und reichte dieses der Versicherung ein. Erwartungsgemäß fielen die für die Regulierung errechneten Werte deutlich geringer aus, als wie in meinem Gutachten ermittelt. In den anonymisierten PDF-Dokumenten können die Schriftwerke nachgelesen werden. Zusammenfassend ist folgende unrechtmäßige Kürzungen festzustellen:


DEKRA-Gutachten (anonymisiert) hier klicken

  1. In seiner Kalkulation wird die Lackierung ausgebaut vorgenommen. Der Befestigungssatz bleibt unbehandelt. Auch auf eine Beilackierung der Tür wurde verzichtet. Nach dem vom DEKRA-SV vorgegebenen Reparaturweg wäre das Fahrzeug nach der Reparatur „zweifarbig“. Außerdem würden die Befestigungsschrauben nach kürzester Zeit anfangen zu rosten. Aber auch ohne Korrosion fallen die unbehandelten Befestigungsschrauben beim Öffnen der Motorhaube auf und lassen zweifelsfrei – auch für den Laien – auf ein Unfallereignis schließen. Der Geschädigte hat aber Anspruch auf vollständige Wiederherstellung seines Fahrzeuges auf den Zustand wie er vor Eintritt des Schadenereignisses gewesen ist. Das wird bei der vom DEKRA-SV kalkulierten Billigkalkulation nicht berücksichtigt. Und so wird es richtig gemacht: Der neue Kotflügel wird vorab erst einmal in die Karosserie eingepasst, dann wieder ausgebaut und an den im eingebautem Zustand nicht erreichbaren Stellen vorlackiert. Anschließend wird der so vorbereitete Kotflügel eingebaut und die Tür für die Beilackierung abgerüstet. Anschließend wird das Fahrzeug an den nicht zu lackierenden Stellen abgedeckt bzw. abgeklebt. Die Motorhaube wird geöffnet und auch der Motorraum abgedeckt, so dass die Befestigungselemente unterhalb der Haube mit lackiert werden, damit das Fahrzeug an der Reparaturstelle wieder so aussieht, wie es vom Händler ausgeliefert wurde. Nach der Lackierung werden die fließenden Übergänge der Beilackierung auf der Tür poliert, und nach der Montage aller Anbauteile sieht das Fahrzeug wieder so aus, als wäre nichts passiert. Eine Reparatur nach Vorgabe von der DEKRA  ist nichts anderes als Pfusch!
  2. Die Wiederbeschaffungsdauer von 9 Tagen ist zu niedrig angesetzt. Der Gesetzgeber hat 14 Tage als realistisch angesehen. Die von der DEKRA angesetzten 9 Tage sind auch schon deshalb unrealistisch, weil zum Zeitpunkt der Erstellung meines Gutachtens kein einziges Fahrzeug dieser Art gefunden wurde. Und auch einen Monat später, als von der DEKRA im Auftrag der HUK-Coburg das Konkurrenzgutachten geschrieben wurde, hatte diese nicht ein Fahrzeug auf dem Markt gefunden, welches innerhalb von 9 Tagen durch den Anspruchsteller nutzbar wäre. Aus meiner eigenen Praxis kann ich einen konkreten Fall anbringen, bei dem eine Kunde für die Neuanschaffung eines Golf II in überdurchschnittlichem Zustand mehr als 3 Wochen benötigte.
  3. Der für die Regulierung maßgeblich angegebene Restwert von 250,- € ist lediglich eine durch nichts bewiesene Vermutung. Wie er selbst in seinem Gutachten schreibt, hat der DEKRA-SV auf die Einholung konkreter Restwertgebote verzichtet. Dabei ist er laut jüngster Rechtsprechung dazu verpflichtet. Gemäß der Entscheidung des BGH vom 13.10.2009 (AZ: VI ZR 318/08) sollen im Gutachten mindestens drei konkrete Restwertangebote des regionalen allgemeinen Marktes aufgeführt werden, aus denen der Restwert ermittelt wird. Der von der DEKRA angeführte Restwert ist eine willkürlich ohne jegliche Grundlage und außerdem, um der Versicherung zusätzlich einen Vorteil zu verschaffen, eine dem Auftraggeber konforme Größe zur weiteren Beschneidung der Schadenersatzansprüche des Unfallopfers. Schon aus diesem Grunde ist das DEKRA – Gutachten unbrauchbar.
  4. In seinem Gutachten behauptet der DEKRA SV, der Wiederbeschaffungswert dieses Fahrzeuges sei 1100,- €. Weiterhin behauptet der DEKRA-SV: „Vergleichbare Fahrzeuge werden überwiegend am Privatmarkt angeboten.“ Er hat es jedoch unterlassen, diese Behauptung mit Referenzfahrzeugen zu beweisen. Nicht ein einziges Fahrzeug konnte der DEKRA-SV konkret benennen, welches entsprechend dem Zustand für 1100,- € angeboten worden wäre. In Meinem Gutachten sind konkret 5 Fahrzeuge, die dem Anspruchstellerfahrzeug entsprechen, angeboten, deren Preise zwischen 1800,- und 3500,- €, und somit jenseits der vom DEKRA-SV behaupteten 1100,- € liegen. Abgesehen davon, dass es sich beim Anspruchstellerfahrzeug um einen 2-Türer handelt, von denen zu diesem Zeitpunkt wirklich keines auf dem Markt angeboten wurde, habe ich auf Grund dessen den WBW auf dem unterem Drittel der Referenzfahrzeuge (alles 4-Türer) festgelegt.

Einspruch zum DEKRA-Gutachten - hier klicken

Angesichts dieses und anderer ähnlicher Vorfälle empfehle ich: Lassen Sie nicht zu, dass ein Gutachter im Auftrag der gegnerischen Haftpflichtversicherung sich allein an ihrem Auto zu schaffen macht. Sollte ein solcher Gutachter bei Ihnen auftauchen, jagen Sie ihn davon. Sollte er dabei auch noch privaten Grund und Boden betreten, rufen Sie die Polizei, denn das ist Hausfriedensbruch. Dabei ist es egal, ob es Ihr eigenes Grundstück oder lediglich nur eine gemietete Parkfläche ist. Sie als Fahrzeughalter entscheiden, wer von Ihrem Fahrzeug ein Gutachten erstellt und wer nicht. Und wenn dass die Konkurrenzgutachter nicht respektieren, sollen diese auch die Konsequenzen tragen.


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