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Fehler 7: Nachbesichtigung



Grundsätzlich: Es gibt kein generelles Recht zur Nachbesichtigung. Ein Solches ist rechtlich gesehen nur statthaft, wenn dem vorher eingereichten Gutachten gravierende Mängel bzw. Fehler nachgewiesen werden. Im Grund genommen könnte mit Signalisierung der Absicht von der Versicherung, ein eigenes Gutachten für das von ihrem VN schuldhaft beschädigten Fahrzeuges erstellen zu lassen, sofort Klage eingereicht werden. Man steht da auf der sicheren Seite, auch wenn sich dadurch der Regulierungsprozess verzögert.



Aber nicht immer macht das Sinn. Nach meiner Jahrzehnte langer Erfahrung muss hier differenziert werden. Während hauseigene Gutachter der Versicherung, also solche, die im festen Angestelltenverhältnis mit der jeweiligen Versicherungsgesellschaft stehen, auch wenn sie die Interessen ihres Arbeitgebers und die ihres Kunden vertreten, dabei auch sachlich und objektiv vorgehen, haben Sachverständige, die als Subunternehmer auf kontinuierliche Auftragslage angewiesen sind, auch das Motiv, ein Konkurrenzgutachten als wettbewerbstechnische Maßnahme gegen den freien Sachverständigen und dessen Auftraggeber auszulegen. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass diese Konkurrenzgutachter den Geschädigten dafür bestrafen wollen, dass er nicht zu ihnen gekommen ist, um sein unfallbeschädigtes Fahrzeug begutachten zu lassen.


Beachten Sie einfach folgende Regeln


Grundsätzlich: Lassen Sie niemals einen Gutachter der Versicherung allein an Ihr Fahrzeug! Ohne Ihren eigenen Sachverständigen hat kein anderer daran etwas zu suchen!


Sollte die Versicherung einen eigenen Gutachter beauftragen wollen, wird Sie das in der Regel schriftlich Kund tun. Antworten Sie nicht selbst daraauf, sondern informieren Sie Ihren Sachverständigen. Sollte jemand der Versicherung Sie mit diesem Begehren anrufen, lassen Sie sich auf keine Diskussionen ein, sondern lehnen Sie konsequent ab, und verweisen Sie auf Ihren Rechtsanwalt. Spätestens jetzt sollten Sie einen einschalten, denn ab jetzt sollen Sie "über`s Ohr gehauen" werden.



Nimmt ein Gutachter im Auftrag der Versicherung persönlichen Kontakt zu Ihnen auf, lehnen Sie ab, reagieren Sie nicht auf Anschreiben von denen und bei telefonischen Kontakt erklären sie, dass Sie die Angelegenheit einem Rechtsanwalt übergeben haben. Sie wären der Sache nicht gewachsen, denn schließlich haben Sie nicht jeden Tag einen Unfall. Der Gutachter wird natürlich darauf bestehen, seine Arbeit durchführen zu können. Lassen Sie sich davon nicht beeindrucken! Es ist Ihr Recht als Eigentümer des Fahrzeuges selbst zu bestimmen, wer sich an Ihrem Auto zu Schaffen macht!


Als letztes muss ich angesichts konkret belegbarer Vorfälle auf besonders dreist vorgehende Kollegen, die im Auftrage des Unfallgegners ihr Unwesen treiben, hinweisen. Diese melden sich nicht an, sondern suchen still und heimlich zu einer garantiert unpassenden Tages- oder sogar Nachtzeit an Ihrer Adresse das vor dem Haus stehende  Auto von Ihnen auf, fummeln daran herum, machen Fotos und verschwinden ebenso heimlich wieder, wie sie gekommen sind. Ich kenne sogar Fälle, dass diese Kollegen privaten Grund und Boden betreten haben, um Ihr Werk zu verrichten. Das ist Hausfriedensbruch! Sollte also ein solcher Gutachter bei Ihnen auftauchen, jagen Sie ihn davon. Haben Sie ihn dabei überrascht, dass er bereits Hand an Ihr Fahrzeug gelegt hat, oder auch nur ein einziges Foto geschossen hat - dabei reicht aus, dass er den Fotoapparat bereits ausgepackt hat - rufen Sie sofort die Polizei (110), denn jetzt ist Gefahr in Verzug! Nach Möglichkeit hindern Sie diesen Menschen daran, vor dem Eintreffen der Polizei zu verschwinden. Rufen Sie nötigenfalls die Nachbarn zu Hilfe. Notieren Sie sich unbedingt das Kennzeichen des von ihm benutzten Fahrzeuges. Er wird Ihnen erklären wollen, dass er doch den Auftrag von der Versicherung habe. Eben! Das Auto gehört aber nicht der Versicherung, und schon gar nicht der von dem, der ihnen den Schaden zugefügt hat. Wenn die Polizei eingetroffen ist, erklären Sie der, dass dieser Mensch, ohne Ihre Genehmigung an Ihrem Fahrzeug herum hantiert und Fotos geschossen hat. Die Polizei ist daraufhin verpflichtet, die Beweise zu sichern und wird, wenn Sie richtig arbeitet, sein gesamtes Equipment beschlagnahmen. Dabei sollten sie auf keinen Fall vergessen, den Fotoapparat samt Speichermedium sowie mitgeführte Rechentechnik wie Tablet-PC etc. einzuziehen.  Wenn nicht dann weisen Sie die Beamten freundlich darauf hin, und bestehen Sie darauf. Dieser Gutachter darf auf gar keinen Fall sein Fotomaterial behalten. Viele Kollegen schicken ihr Bildmaterial gleich vorort online in ihr Büro. Das trifft auch für die auf einem mitgeführten Tablet-PC vor Ort angefertigten Kalkulatioen zu. Auch das sollten die Beamten wissen, damit diese sofort Gegenmaßnahmen ergreifen können. Sollte dieser Gutachter seine Arbeit abschließen können, wird das den Regulierungsprozess unnötig in die Länge ziehen. Es sei denn, Sie begrügen sich mit dem Ergebnis dieser zweifelhaften Expertidse, bei dem die Regulierungssumme unter dem Strich nicht ausreicht, Ihren Schaden vollumfänglich zu beziffern. Der einzige Sonderfall, dass ein Gutachter ohne Ankündigung und ohne Ihre Zustimmung Ihr Auto inspizieren darf, ist wenn er einen gerichtlichen Beschluss dazu vorweisen kann. Das kann aber nur ein von einem Gericht beauftragter Gutachter, und der wird sich vorher mit Ihnen abgestimmt haben. Es gibt aber auch Gerichtsgutachter, die aus wirtschaftlichen Gründen auch auf Aufträge von Versicherungen angewiesen sind. Jetzt müssen Sie wieder aufpassen! Sollte der Gutachter der Versicherung Tage später wieder vor Ihrer Tür stehen und dieses Mal mit einem Gerichtsbeschluss herumwedeln, weiß der unterzeichnende Richter nicht, dass  der Kollege auch für die Gegenseite tätig ist. Das ist ein unüberbrückbarer Interessenskonflikt. Für das weitere Verfahren ist dieser Gutachter "verbrannt". Jagen Sie diesen Menschen davon und informieren Sei Ihren Rechtsanwalt.


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